Eine Stadt mit einer solch langen Geschichte hat auch viele Traditionen. Wir erzählen, wie in Barcelona der Brauch entstand, Sant Medir zu feiern.

Irgend etwas gibt es fast immer zu feiern in der katalanischen Hauptstadt. So sind in der langen Zeit, die Barcelona bereits existiert auch viele verschiedene Traditionen entstanden. Dazu gehören der verschiedenen Schutzheiligen der Stadt, wie Santa EulàliaSant Josep Oriol und La Mercè. Darüber hinaus gibt es eine alte Legende, die der Anlass einer Feier ist, auf die sich vor allem die Kinder freuen. Denn jedes Jahr zu Beginn des Monats März „regnet es Süßigkeiten“ bei den Umzügen zu Ehren des Sant Medir. 

Wenn man es ganz genau nimmt, ist es eigentlich keine Feier der Stadt. Ihren Ursprung hat sie nämlich in Gràcia in einer Zeit, als der heutige Stadtteil Barcelonas noch eine eigenständige Gemeinde war.

Die Feier zu Ehren des Sant Medir ist fast so alt wie die bekannte Festa Major des Viertels. Und hauptsächlich bei den Kleinsten auch genauso beliebt. Das liegt natürlich in erster Linie an den Tonnen von Süßigkeiten. 

Am Morgen findet eine Parade durch die Nachbarschaft statt, gefolgt von einer Wallfahrt zur Kapelle von Sant Medir in Collserola. Zurück in den Straßen des Viertels werden von Reitern und geschmückten Wagen allerlei Bonbons und Leckereien in die Menge geworfen. Während all der Jahre haben sich dabei die verrücktesten Strategien zu Sant Medir entwickelt, um so viele wie möglich zu erwischen. So sieht man vereinzelt Leute zum Beispiel mit Regenschirmen, großen Taschen oder Eimern.

Die Messe an der Kapelle Sant Medir in Collserola (Foto: Sant Medir ORG)

Die Feierlichkeiten erfreuen sich heutzutage aber nicht mehr nur Gràcia, sondern auch in anderen Bezirken großer Beliebtheit. So gibt es in Sants und in Sarrià ebenfalls Umzüge und eine Wallfahrt.

Sowohl in Gràcia als auch in Sarrià wird Sant Medir traditionell an einem Wochentag gefeiert wird. Sollte der Tag des Heiligen auf einen Sonntag fallen, wird das Fest auf den 4. Verschoben. In Sants findet die Parade hingegen immer am Sonntag nach dem 3. März statt. Dort zieht die Parade auch nicht bis nach Collserola, sondern zur Pfarrei Sant Medir im Viertel La Bordeta.

Das Versprechen eines Bäckers

Der Feierlichkeiten gibt es bereits seit dem Jahr 1828. Alles begann mit dem Versprechen, das der Bäcker Josep Vidal i Granés machte, der sein Geschäft in der Carrer Gran hatte. Er sagte, dass er jedes Jahr zur Kapelle von Sant Medir pilgern würde, wenn er wieder gesund werden würde. So geschah es auch und in den darauffolgenden Jahren begleiteten ihn immer mehr Leute. Erst waren es Familienmitglieder, später kamen Freunde und viele weitere Personen hinzu, die sich dann sogar in Gruppen organisierten.

Bei den ersten Umzügen warf der Bäcker bei der Rückkehr zu Ehren des Heiligen Bohnen um sich, die er der Legende nach gesät hatte. Im Laufe der Jahre wurden die Bohnen durch Bonbons ersetzt, wodurch die Feier später ‚Dolça Festa‘ getauft wurde.

Der Umzug zu Sant Medir in Sants (Foto: BarcelonAlemany.com)

Und wer war dieser Sant Medir?

Geehrt wird mit den Feierlichkeiten ein einfacher Bauer. Dieser lebte, laut den Erzählungen, auf dem Collserola nahe Sant Cugat lebte, wo er ein Stück Land besass. Der Legende nach musste der Bischof Severus von Barcelona inmitten der Christenverfolgung im Jahr 303 aus der Stadt fliehen. Als er Sant Cugat erreichte, traf er auf den Bauern Medir, der dabei war, seine Bohnen zu säen.

Der Bischof erzählte ihm, warum er auf der Flucht sei und eher sterben wolle, als seinen Glauben aufzugeben. Dabei bat er ihn, allen davon zu erzählen, die nach ihm fragen würden. Kurz nachdem er weg war, begannen die Bohnen des Bauern auf wundersame Weise zu wachsen. 

Kurz darauf trafen die Verfolger auf den Bauern Medir, der ihnen wie vom Bischof gebeten, die Wahrheit erklärte. Severo sei dort vor einiger Zeit vorbeigekommen, während er sein Feld bestellte. Die Männer dachten, dass er sie verspottete und den Bischof beschützte, und nahmen ihn mit. Wenig später fanden sie auch den Flüchtenden. Anschließend wurden beide eingesperrt und zu Tode gefoltert.


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