Hochwasser in Barcelona

An einem Tag wie heute, ereignete sich 1962 eine der schwersten Naturkatastrophen. Das Hochwasser in Barcelona kostete fast 1000 Menschen das Leben.

BARCELONA, REDAKTION. Ganze Viertel waren verschwunden, die Leichen der Opfer fand man teils kilometerweit von ihren Häusern, von der Flut weggeschwemmte Busse. Schäden in Millionenhöhe entstanden bei dem Hochwasser in Barcelona, einer der schlimmsten Katastrophe in der jüngeren Geschichte der Region.



Am Morgen des 25.September 1962 fielen die ersten Regentropfen, die eigentlich ein Segen für die Provinz Barcelona war. Bereits monatelang litt die gesamte Gegend unter einer schweren Dürre, von der vor allem die Landwirtschaft betroffen war. Das daraus ein extremes Unwetter entstand, konnte niemand vorhersehen und noch weniger, die Ausmaße, die es haben würde. In manchen Gegenden fielen in weniger als 2,5 Stunden plötzlich in zweieinhalb Stunden mehr als 200 Liter Wasser pro Quadratmeter.

Hunderte Wohnhäuser und Fabriken waren betroffen (Arxiu de l’Ajuntament de Barcelona)

Zu viel für Gebiete wie das Vallés Occidental und vor allem für Städte wie Sabadell, Tarrasa und Rubí. Dort verwandelten sich harmlose Bäche und seit Jahren ausgetrocknete Flussbetten zu Wassermassen, die alles mitrissen, auf das sie trafen. Hunderte Häuser und zahlreiche Fabriken mitten im Arbeitsbetrieb wurden zerstört. 

Autos, Lastwagen und Busse wurden von den Fluten weggespült.

In Rubí gab es etwa 300 Tote und in Terrassa sogar noch mehr. „Dort auf den Feldern standen rund 130 bescheidene Häuser der Textilarbeiter, zwei Fabriken und der städtische Schlachthof von Rubí. Von all dem blieb am Ende nur der alte Bananenbaum stehen, der im Hof Schatten spendete.“ So beschrieb es ein Zeitzeuge damals gegenüber der Presse. Viele bauten ihre Häuser direkt an den Ufern kleiner Bäche, welches der Grund für so viele Todesopfer war.

Mehrere Flüsse traten über die Ufer (Arxiu de l’Ajuntament de Barcelona)

Auch die Flüsse Besòs und Llobregat, die Barcelona im Norden und Süden begrenzen, liefen Stunden nach Beginn des Sturms über. Dadurch wurden die Kommunikation, die Strom- und Hauptverkehrsverbindungen mit den umliegenden Gemeinden abgeschnitten. Auf diese Weise entstand eine große Verwirrung unter den Menschen. Falsche Informationen über die Ausmaße der Fluten rund um die Stadt Barcelona machten die Runde. An den Stränden von Barcelona bis jenseits von Badalona, ​​tauchen zahlreiche von der Flut weggespülte Tierkörper auf dem Wasser auf.

Verkehrsverbindungen wurden von den Fluten zerstört (Arxiu de l’Ajuntament de Barcelona)

Offizielle Zahlen sprachen damals von 617 Todesfällen in nur wenigen Stunden, neuere Studien belegen jedoch, dass es fast tausend waren. Einige Leichen tauchten viele Kilometer von ihren Häusern entfernt auf. Teile einiger Viertel wurde vollständig von den Fluten weggespült.

Eine schicksalshafte Episode erlebten auch die Passagiere eines Zuges der Ferrocarrils von Barcelona nach Terrassa. Dieser überquerte gerade noch die Brücke zwischen Les Fons und Terrassa, die wenige Momente später einstürzte. Kurz darauf sahen die Passagiere durch die Fenster, dass das Wasser auch den Zug erfasste. Dem Zugpersonal gelang es trotz der allgemeinen Panik der Passagiere, die ins Wasser springen wollten, die Türen geschlossen zu halten. Laut einem der Reisenden waren es „schreckliche zweieinhalb Stunden in denen man die Leute schreien, beten und weinen hörte. Wir fühlten uns wie im Bug eines Schiffes, das meterhohen Wellen ausgesetzt ist.“ Erst kurz vor Mitternacht konnten die FahrgÄste gerettet werden.

Am darauffolgenden Tag erwachte die Region Barcelona im völligen Chaos (Arxiu de l’Ajuntament de Barcelona)

Das Chaos am Morgen danach

Erst am nächsten Morgen wurde das gesamte Ausmaß deutlich. Die Region erwachte völlig verwüstet, Ruinen, Trümmer, kaputte Brücken, umgeworfene Strommasten, wohin man blickte. Tausende Menschen standen vor dem Nichts. Schätzungen zufolge verloren mehr als 4.400 Menschen ihr Zuhause. Die meisten von ihnen landeten zudem in der Arbeitslosigkeit, da ebenfalls viele Fabriken zerstört wurden.