Die erste Ärztin des Landes

aleu i riera

Sie war die erste Frau, die in Spanien Medizin studierte und stammte aus Barcelona. Eine Geschichte über die erste Ärztin des Landes

In jenen Zeiten war es alles andere als gewöhnlich, dass eine Frau studierte oder überhaupt einen Beruf ausübte. Über das Leben der am 7.April 1857 geborenen Doktorin Dolors Alau i Riera ist kaum etwas bekannt. Nur wenige Dokumente und Schriftstücke erhalten blieben. Mit seinem Tod verschwand fast alles. Die Akten ihrer Patienten, Tagebücher, Briefe, Texte, Bücher oder ein einfaches Rezept… alles fiel einem Feuer zum Opfer. Nur einige Fotos und ein Brief an ihre Kinder haben die Flammen nur knapp überstanden. In Erinnerung bleibt sie allerdings als die erste Ärztin des Landes.

Eine Karriere mit Hindernissen

Trotz der Tatsache, dass sie aus einer wohlhabenden Familie der Stadt stammte, hatte sie verschiedene Schwierigkeiten, ihren Titel zu erlangen. Ihr Medizinstudium absolvierte Aleu bereits zwischen 1874 und 1879, gemeinsam mit zwei weiteren Frauen, Maria Elena Maseras und Martina Castells. Ihre Lizenz bekam sie auch erst mit grosser Verzögerung im Jahre 1882. Grund dafür war die Weigerung des Rektors der Universität Madrid, der einzigen Fakultät, die den Titel verliehen hatte. Von den drei Medizinstudentinnen war sie am Ende auch die Einzige, die den Beruf wirklich ausübte. Eine der anderen Beiden verstarb bei der Geburt ihres Kindes, die andere konnte die ständigen Hindernisse als Ärztin zu arbeiten nicht überwinden.

Die Lizenz zum Praktizieren als Ärztin (Foto: Stiftung Aleu)

Aleu stützte ihre These auf die hygienische und moralische Erziehung der Frau, um ihre Autonomie zu stärken. Darin erklärte sie wissenschaftlich, warum Frauen physische und mentale Einschränkungen loswerden müssen.

Gynäkologie und Kindermedizin

Ihre erste private Praxis eröffnete sie auf der Rambla de les Flors. Mit dem Umzug zur Rambla de Catalunya begann sie parallel mit ihrer freiwilligen Tätigkeit in der Casa de la Caritat. Diese befand sich zu damaligen Zeitpunkt in der Carrer de Montalegre 7, nahe der Universität Barcelona, in der sie studiert hatte. Dort kümmerte sich die Aleu als Fachärztin für Gynäkologie und Pädiatrie 25 Jahre lang aufopfernd um mittellose Frauen und Kinder.

Doktorin Aleu hatte selbst zwei Söhne. Der älteste von ihnen, Camil, infizierte sich mit nur 23 Jahren tödlich mit Tuberkulose während eines Praktikum seines Medizinstudiums.

Dr. Aleu mit ihrer Familie (Foto: Stiftung Aleu)

Heutzutage würde man es wahrscheinlich Depression nennen, was Dolors Aleu i nach der Beerdigung ihres Sohnes erlitt. Sie kehrte nie in ihre Praxis zurück und verschloss sich in ihren Haus in Gràcia, in dem sie lebte. Zwei Jahre später starb. Das sie ihrem eigenen Sohn nicht retten konnte und die Trauer über seinen Tod überwand sie nie, so glaubt die Familie. Nach ihrem Ableben am 19.Februar 1913 verbrannte ihr Mann Camil all Habseligkeiten seiner Frau, der Grund dafür ist jedoch unbekannt.

Beerdigt auf dem Montjuïc

Acht Tage nach ihrem Tod wurde sie auf dem Montjuïc beigesetzt und der Trauerzug sei, laut einem Zeitungsbericht lang und bunt gewesen. Hunderte Herren und Damen der Bourgeoisie kamen, die zu ihren Patienten zählten, die in zwanzig Jahren Praxis behandelte. Sie mischten sich mit Frauen aus dem Raval, alleinerziehenden Müttern und einfachen Familien, um ihr die letzte Ehre zu erweisen. Und auch rund 300 Kinder der Casa de la Caritat begleiteten den Trauerzug.

Nicht zuletzt durch den Frauenstreik 1908 kam es in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts zu wesentlichen gesellschaftlichen Fortschritten. Diese kamen auch der feministischen Bewegung zugute, was unter anderem 1931 zum Frauenwahlrecht führte. Das sich erneut jemand als Ärztin promovierte, dauerte allerdings bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts.

Auch auf ihre eigene Familie hatte Alaus feministischer Impuls wenig Auswirkung. Weder die Frau ihres Sohnes, noch ihre Enkelin M.ª Teresa, oder eine ihrer drei Urenkelinnen gingen höheren Studien nach. Einzig ihre Ururenkelin Núria Cuyàs hat einen höheren Abschluss als Schauspielerin.


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