Ob als Treffpunkt, für eine Tasse Kaffee nach dem Shoppen oder als erste Anlaufstelle für Touristen nach der Ankunft. Das Café Zurich gehört schon lange zur Stadtgeschichte.

Das exakte Datum, an dem die Familie einst die alte Bar an der Station übernahm, weiß niemand mehr genau. Nach 100 Jahren existiert leider kein einziges Dokument mehr, welches den Beginn der Äre Valldeperas belegt. Wenige Wochen vor Weihnachten 1920 war es, als sie das Cafè Zurich einweihten, darüber sind sich alle Familienmitglieder einig.



Gastronomie gab es dort an der Ecke, an der die Rambla beginnt schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Am 24. Juni 1862 öffnete das Lokal (unter dem Namen „La Catalana“) als simpler Kiosk, der Getränke an Reisende verkaufte. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde hier mit großem Erfolg heiße Schokolade verkauft. In jener Zeit war es, als ein aus der Schweiz zurückkehrender Katalane das Geschäft übernahm. Dieser war es auch, der ihm den Namen Café Zurich gab.

1920 kaufte es dann Andreu Valldeperas. Es sollte eine gute Entscheidung sein und oft profitierte man von den Ereignissen der unmittelbaren Umgebung. So wie zum Beispiel die Modernisierung des Plaça de Catalunya. Nicht nur, dass die Züge nun unterirdisch fuhren, das angenehmere Ambiente lockte natürlich auch mehr Gäste ins Café.

Auch die Eröffnung der „Avenida de la Luz“, war für das Lokal sehr günstig. So hatte man nun nicht mehr nur die Bahnstation praktisch vor der Tür, sondern auch die erste unterirdische Einkaufspassage in Europa.

Die Hilfe der Einwohner

In seinen 100 Jahren war das Cafè Zurich Treffpunkt für große Denker, Künstler, Politiker, Schriftsteller. Jahrzehntelang war es auch das Stammlokal vieler Journalisten. Bis 2004 befand sich nämlich die Redaktion der La Vanguardia nur ein paar Schritte weiter, in der Carrer de Pelai.

Cafè Zurich Barcelona
Das Cafè Zurich in den 1930er Jahren (Arxiu de l’Ajuntament de Barcelona)

In fünfter Generation wird das Geschäft bereits geführt. Vier der Inhaber hießen übrigens nach alter Familientradition Andreu und mit Maria leitet aktuell zum ersten Mal eine Frau das Lokal.

In all den Jahren sah man sich mit einigen schwierigen Zeiten konfrontiert. Das Lokal hat den Bürgerkrieg überlebt und den Franquismo. Nicht einmal die Wirtschaftskrise oder ein Attentat konnte uns zum Aufgeben zwingen. Und auch die Kontruktion des El Triangle oder die Terrassen-Politik der Bürgermeisterin Colau hat das Cafè Zurich überstanden.

“Doch ganz ehrlich, ich kann mich an nichts erinnern, dass der bizarren Situation in diesem Jahr gleicht.“

Wir vermissen die Touristen genauso wie den meisten anderen Gastronomen, wie zum Beispiel auf der Rambla. Aber die „normale“ Bevölkerung war und ist ein wichtiger Bestandteil unserer Kundschaft und sie haben uns nicht im Stich gelassen. Aktuell haben wir ausnahmslos einheimische Gäste und nur die Hilfe der Einwohner der Stadt ermöglicht es uns, weiterzumachen”, versichert Andreu Valldeperas.

Nonnen, Fussballspieler und Bankräuber

Es gibt so viele Geschichten über das Cafè Zurich aus den letzten 100 Jahren. Eine davon erzählt aus den Zeiten nach Bürgerkrieg, als die Lebensmittel knapp waren. Da kamen oft die Nonnen eines Klosters in der Nähe um den Kaffeesatz aus den Tassen zu sammeln. Daraus machten sie sich dann nochmal einen Kaffee. 

In den 30er Jahren soll es gewesen sein, so die Erzählungen, als ein Mann namens Boronat beim Kaffeetrinken die ungerechte Behandlung eines armen Blinden durch Polizisten beobachtete. Er bekam eine Geldstrafe wegen Bettelns. Infolge dessen beschloss Senyor Boronat, blinden Menschen zu helfen. Das war die Geburtsstunde der nationalen Organisation der Blinden in Spanien. Diese finanziert sich unter anderem über die vielen bekannte gleichnamige Lotterie ONCE.

Barcelona, Cafè Zurich, Stadtgeschichte
Nach dem Umbau im Zuge der Eröffnung des El Triangle

Auch soll laut Zeitzeugen ein großer Bankraub auf der Terrasse des Cafés geplant worden sein. Von hier aus hatten die Verantwortlichen des Überfalls einen guten Blick auf die Zentralbank direkt gegenüber. Aus dem gleichen Grund installierte sich hier auch das Kommando der Polizei während des Vorfalls 1981.

Sogar Spieler des FC Barcelona schauten in der Vergangenheit des Öfteren vorbei. Vater Andreu Valldeperas war nämlich nicht nur absoluter Fan des Vereins. In den Jahren seiner Amtszeit als Vorstandsmitglied bei Barça liess er es sich nicht nehmen, die Mannschaft zu allen Auswärtsspielen zu begleiten.

So ist das Cafè Zurich in seinen 100 Jahren nicht nur Teil der Erinnerung vieler Menschen, sondern auch der Stadtgeschichte geworden. Nicht wenige, vor allem die Älteren unter uns, denken im Vorbeilaufen an die Momente zurück, die in Verbindung mit der Cafeteria stehen. Und das Lokal wird auch weiterhin seine Bedeutung haben. Zugegeben, heutzutage verabreden sich viele Leute vor dem Apple Store auf der anderen Seite des Platzes. Dort gibt es nämlich kostenloses WLan. Der Shop mit den famosen Tablets und Handys existiert hier aber erst seit wenigen Jahren. Doch um in die Stadtgeschichte einzugehen, bedarf es doch so einige Zeit mehr.

So wird also hoffentlich auch noch viele Jahr weiter zu hören sein: „Wo treffen wir uns?“ „Erstmal vor dem Zurich, dann sehen wir weiter!“


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